29.4.2021 Memmingen. Unterstützung für Familien, wenn der Alltag keinen Freiraum mehr lässt – Kooperation von Kinderschutzbund und Stadt Memmingen.

Der Alltag mit kleinen Kindern hält auf Trab. Mütter und Väter sind rund um die Uhr gefordert, und Unterstützung durch Großeltern oder Freunde hat nicht jede Familie. Wenn alles zu viel wird, wenn der Alltag keinen Freiraum mehr lässt und Eltern ein paar Stunden in der Woche Entlastung brauchen, sind Traudel Kammermann und ihr Mann Friedrich Reichert zur Stelle.

Die beiden gehen mit dem Kinderwagen spazieren, begleiten die Jüngsten zum Spielplatz, puzzlen, malen oder spielen, worauf die Kinder gerade Lust haben. Das Ehepaar ist seit vielen Jahren ehrenamtlich als Familienpaten beim Kinderschutzbund engagiert.

„Ich bin quasi Ersatz-Oma“, erzählt die 69-jährige Traudel Kammermann. Ihre eigenen Kinder sind längst erwachsen, die Enkel und Urenkel leben weit weg von Memmingen. „Wir helfen gerne in Familien. Es macht viel Spaß mit den Kindern und über die Jahre sind Freundschaften entstanden“, erzählt sie von ihrem Engagement.

2013 wurde das Projekt Familienpaten durch eine Kooperation zwischen dem Kinderschutzbund Memmingen-Unterallgäu e.V. und der Koordinierenden Kinderschutzstelle „KoKi – Frühe Hilfen“ der Stadt Memmingen gegründet. Traudel Kammermann ist von Anfang an mit dabei.

Neben ihr und ihrem Mann gibt es aktuell noch eine weitere Familienpatin in Memmingen. „Wir suchen dringend Ehrenamtliche, die den Familien von ihrer Zeit schenken, die da sind, zuhören und mit den Kindern Freizeit gestalten“, erklärt Sozialpädagogin Maria Hillebrand, Koordinatorin der Familienpaten im Kinderschutzbund. Demnächst soll ein neuer Schulungskurs für neue Familienpaten starten.

Zwei bis drei Stunden pro Woche sind die Familienpaten im Einsatz, auch in Corona-Zeiten. Fahrtkosten werden übernommen. Einmal im Monat gibt es ein Teamtreffen zum Erfahrungsaustausch.

Maria Hillebrand telefoniert regelmäßig mit den Familienpaten und ist auch immer mal wieder in den Familien mit dabei. „Die Einsätze dauern manchmal nur ein paar Wochen, andere gehen über ein Jahr, das hängt immer vom Bedarf der Familie ab“, erklärt sie.

Sozialpädagogin Maria Hillebrand koordiniert das Projekt der Familienpaten im Kinderschutzbund. (Foto: Alexandra Wehr/ Pressestelle Stadt Memmingen)

Viele Alleinerziehende nehmen das Angebot der Familienpaten wahr, mal eine Familie mit mehreren Kindern, in der sich weiterer Nachwuchs angekündigt hat oder Eltern, die zugezogen und noch nicht vernetzt sind. Zwei Voraussetzungen müssen Familien erfüllen, damit sie die Unterstützung in Anspruch nehmen können: Ein Kind der Familie muss noch unter drei Jahre alt sein und die Familie muss in Memmingen wohnen.

Die Unterstützung ist gedacht für Familien mit einem vorübergehenden Bedarf.

„Die ehrenamtlichen Familienpaten helfen, wenn Unterstützung im Alltag gebraucht wird. Es geht hier nicht um Familien in prekären Situationen, die Begleitung durch eine sozialpädagogische Fachkraft brauchen“, erläutert Jugendamtsleiter Michael Wagner. Durch Corona, so vermuten Wagner und Hillebrand, wäre der Bedarf in vielen Familien sicherlich verstärkt da.

„Man hockt den ganzen Tag aufeinander. Ganz bestimmt täte eine Unterstützung von außen manchen gut“, bekräftigt Maria Hillebrand. Doch die Pandemie hat eher zu einer geringeren Nachfrage nach Familienpaten geführt. „Wir würden uns freuen, wenn mehr Familien von dem Angebot erfahren. Viele kennen es vielleicht einfach nicht“, vermutet Hillebrand.

Wer sich als Familienpatin oder Familienpate engagieren möchte oder wer als Familie gerne in Kontakt zu einem Familienpaten treten würde, kann sich mit Maria Hillebrand in Verbindung setzen unter Tel. 08331/84858 oder per Mail an hillebrand(at)ksbmm.de

Finanziell getragen wird das Projekt Familienpaten von der Stadt Memmingen, gefördert wird es vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales.