26.2.2021 Lindau (Bodensee). Gesamtunfallzahl insgesamt gesunken, Zahl der Schiffsunfälle gesunken, Zahl der tödlichen Unfälle gesunken, 472 Personen aus Seenot gerettet.

Dies ergab die Auswertung der Unfallstatistik des Jahres 2020 durch die Leiter der See- und Wasserschutzpolizeien aus Lindau, Vorarlberg, St. Gallen, Thurgau, Schaffhausen und Baden-Württemberg (Konstanz, Überlingen und Friedrichshafen).

Wetterlage

Der Wetterverlauf im Jahr 2020 kann mit Ausnahme der Monate Januar und Februar als sehr gemäßigt bezeichnet werden. Es gab nur wenige Gewitter und nur wenige starke Föhnböen.

Die stärkste Föhnböe mit 102 km/h war am 05.03.2020 im Bereich Altenrhein zu verzeichnen. Januar und Februar hatten es allerdings in sich und warteten mit Randtief Lolita, Sturmtief Petra und dem Orkantief Sabine mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 123,5 km/h auf. Die stärkste Böe wurde hierbei im Bereich Lindau gemessen. Das Frühjahr zeigte sich dann aber ausgesprochen freundlich. Im Sommerverlauf waren viele Sonnenstunden und nur wenige Regentage zu verzeichnen, sodass auch 2020 wiederum mit einem Jahresmittel von 10,7°C eine Zunahme um +1,4°C zu verzeichnen war.

Auch 2020 zeigte sich eine gute Gesamttrefferrate bei den Starkwind- und Sturmwarnungen trotz weniger Warnereignisse.

Pegel Konstanz – Verlauf 2020

Der Pegelverlauf im Jahr 2020 zeigte keine übergroßen Schwankungen. Das ganze Jahr über herrschten für die Schifffahrt ausreichende Bedingungen.

 

Der durchschnittliche Seespiegel lag mit 3,45 Meter 2 cm unter dem Mittelwert der Jahre 2011 bis 2020.

 

Der niedrigste Wasserstand wurde 2020 mit 2,98 Meter Ende Januar festgestellt. Der höchste Pegelwert mit 3,99 Meter wurde Anfang Juli registriert.

 

 

 

 

Unfallentwicklung

Auf der 536 km² großen Seefläche und dem 21 Kilometer langen Hochrheinabschnitt bis Schaffhausen ereigneten sich insgesamt 163 Unfälle. 35 weniger als im Vorjahr
(- 18 %). Als Unfälle erfasst wurden Schiffsunfälle, Badeunfälle, Tauchunfälle sowie sonstige Unfälle.

 

Die Unfallzahlen 2020 verteilen sich auf die Bodensee-Anliegerstaaten wie folgt:

 

Baden-Württemberg    98 Unfälle –       31
Vorarlberg    22 Unfälle +        4
Thurgau    15 Unfälle –       15
Bayern    15 Unfälle +        5
St. Gallen      9 Unfälle +        3
Schaffhausen      4 Unfälle –         1

Der Anteil der Schiffsunfälle – 116 – an der Gesamtunfallzahl – 163 – liegt unter dem Vorjahresniveau.

Unfallentwicklung im 10-Jahres-Vergleich

 

 

Unfallauswirkung

Tote/Verletzte/Vermisste

Im Berichtszeitraum verloren 13 Personen (Vorjahr 17) auf dem Bodensee sowie auf der Hochrheinstrecke ihr Leben, 35 wurden verletzt (Vorjahr 38).

 

Die Verteilung der tödlichen Unfälle stellt sich wie folgt dar:

 

Baden-Württemberg           6

Vorarlberg                             3

Kanton Thurgau                  2

Kanton St. Gallen               1

Bayern                                  1

 

Insgesamt ereigneten sich 23 Badeunfälle (- 2). Dabei verunglückten 9 Personen tödlich (- 1), 13 Schwimmer wurden verletzt geborgen (- 2).

Im zurückliegenden Jahr wurden 2 Tauchunfälle (Vorjahr 5) bearbeitet. 2 erlitten Ver­letzungen und mussten ärztlich behandelt werden. Ein tödlicher Tauchunfall war nicht zu verzeichnen (Vorjahr 0).

Bei 22 sonstigen Unfällen wurden 2 Tote und 4 Verletzte registriert. Dabei handelte es sich überwiegend um Unfälle durch Stürze auf Booten und in den Hafenanlagen, Beschädigung von Booten bei Sturmereignissen etc. Hierbei entstand Sachschaden in Höhe von ca. 110.000 Euro.

 

 

 

 

 

 

Schadenssumme

Die Schadenssumme aus Schiffsunfällen und sonstigen Unfällen belief sich im Jahr 2020 auf insgesamt ca. 707.000 Euro, im Vorjahr waren es ca. 543.000 Euro.

 

 

Schiffsunfälle

Die Schifffahrt war mit 116 Unfällen (71 %), an der Gesamtzahl der Unfälle beteiligt.

 

Dabei wurden 16 Personen verletzt, 2 Personen kamen ums Leben.

Die Schadenssumme der Schiffsunfälle belief sich auf rund 597.000 Euro (Vorjahr: 474.000 Euro).

Unfallorte

Von den insgesamt 116 registrierten Schiffsunfällen ereigneten sich 53 Unfälle in den Häfen und an Steganlagen, gefolgt von 29 Unfällen auf der offenen See, 25 Unfällen in der 300-Meter-Uferzone und 9 Unfälle auf Fließgewässern (Alter Rhein, Seerhein und Hochrhein).

 

 

Unfallart

Die Zahl der Kollisionen sank im Vergleich zum Vorjahr von 53 auf 48, ebenso die Anzahl der sonstigen Unfallarten von 24 auf 18. Insgesamt gingen aufgrund von Leckagen 23 (Vorjahr 22) Wasserfahrzeuge unter. Die Zahl der Festfahrungen sank von im Vorjahr 18 Fällen auf 11 Fälle. Kenterungen ereigneten sich 8 (Vorjahr 9), Brand/Explosion 6 (Vorjahr 8), Bordunfälle mussten 2 (Vorjahr 7) erfasst werden.

 

Unfallbeteiligte

An den Schiffsunfällen waren 78 Motorboote, 61 Segelboote, 7 Ruderboote, 7 gewerbliche Schiffe und 1 Surfer beteiligt.

Unfallursache

Als Unfallursachen wurden festgestellt:

56 Unfälle aufgrund mangelnder Sorgfalt der Schiffsführer

25 Unfälle aufgrund technischer Mängel/Ausrüstung

15 Unfälle aufgrund Sturm/Seegang

10 Unfälle aufgrund Nichtbeachtung der Fahrregeln

10 Unfälle sonstiger Art

Sturmwarn- und Seenotrettungsdienst

Im vergangenen Jahr sank die Anzahl der Einsätze im Sturmwarndienst auf 309 (Vorjahr 407). Die Einsätze im Seenotrettungsdienst stiegen von 383 auf 420. Der Rückgang der Einsätze im Sturmwarndienst erklärt sich aus dem Wetterverlauf des Jahres 2020. Während der Wassersportsaison, welche aufgrund der Corona bedingten Einschränkungen sowieso erst spät begann, gab es nur wenige Starkwindlagen. Hingegen deutlich war die Zunahme der Seenotrettungseinsätze. Der Bodensee, ohnehin ein starker touristischer Magnet, war im vergangenen Jahr besonders attraktiv. Viele Urlauber entschlossen sich Urlaub in der Heimat zu machen, was zu einer hohen Frequentierung der Bäder der Wasserfläche und damit zu erhöhten Einsatzzahlen führte.

 

Durch die See- und Wasserschutzpolizeien konnten 472 Personen (Vorjahr: 432) aus Seenot gerettet werden. Ohne deren Hilfe hätten sie aus eigener Kraft das Ufer nicht mehr erreicht. 244 Boote (Vorjahr: 235) mussten durch die Rettungskräfte geborgen werden.

Ratschläge der See- und Wasserschutzpolizeien am Bodensee für die Wassersportsaison 2021

  • Legen sie ihre Rettungsmittel bereit und ziehen sie diese rechtzeitig an.
  • Achten sie auf Vollzähligkeit und Funktionsfähigkeit der Mindestaus­rüstung.
  • Beobachten sie die Wetterlage und die Wetternachrichten.
  • Nutzen sie bei Notfällen auf dem Bodensee den internationalen Notruf 112 und gegebenenfalls den Notrufkanal 16 auf UKW-Funk.
  • Achten sie auf Unfallverhütung an Bord. (Vermeidung von Stolperfallen, Einnahme sicherer Sitzplätze, Nutzung von Haltemöglichkeiten für sicheren Stand).
  • Informieren sie sich als Wassersportler über die geltenden Vorschriften.
  • Prüfen sie die Zulassung Ihres Bootes sowie die Gas- und Elektroanlagen.
  • Schützen sie Ihr Boot vor Diebstahl und Einbruch und melden sie diesbezügliche verdächtige Wahrnehmungen umgehend der Polizei.

Ratschläge für die Flussstrecken wie Hochrhein oder Seerhein:

  • Halten sie genügend Abstand zu Kursschiffen.
  • Bleiben sie in der Nähe des Flussufers, somit geraten sie nicht in das Fahrwasser der Kursschiffe.
  • Halten sie Abstand von Wiffen, denn Kollisionen mit Wiffen bergen ein sehr großes Gefahrenpotential!

Denken sie allzeit daran als Wassersportler eine gute Seemannschaft zu pflegen.