21.4.2017 Lindau (Bodensee). Jahrelang haben die Stadträte und die Verwaltung um den Erhalt eines Hallenbades und des Eichwaldbades gerungen. „Mittlerweile beschäftigen wir uns seit sechs Jahren damit“, sagt Florian Schneider, Werkleiter der Bäderbetriebe Lindau.

Im März hat der Stadtrat grünes Licht für die Thermenlösung mit Investor Andreas Schauer gegeben. Jetzt, knapp einen Monat später, sammelt die Bürgerinitiative Eichwald Unterschriften für ein Bürgerbegehren zum Erhalt des bestehenden Strandbads Eichwald und damit gegen die geplante Therme.

„Ich bin überzeugt davon, dass sich der Stadtrat Lindau für das nachhaltigste Bäderkonzept entschieden hat“, sagt Florian Schneider, Leiter der Bäderbetriebe. Da stellt sich ihm die Frage, ob ein Bürgerbegehren zu diesem Zeitpunkt noch angemessen ist. Er verweist auf einige Bürgerbeteiligungen, Infoabende und auf die Thermenzeitschrift, die im September 2015 an alle Haushalte in Lindau verteilt wurde. Hier hätte man sich ein höheres Interesse der Bürger erwartet und erhofft.

„Denn ab diesem Zeitpunkt wurde massiv in das Projekt investiert. Seitdem befinden wir uns in der Umsetzungsphase.“ Bereits 1,5 Millionen Euro an Planungs- und Projektkosten hat die Stadt bisher in die Therme Lindau investiert. Nach der Formulierung des angestrebten Bürgerentscheids, so Schneider, wäre dieses Geld dann verloren.

„Der Stadtrat hat sich die Entscheidung zu den Lindauer Bädern nicht leicht gemacht“, sagt Schneider. Es gab drei unabhängige Markt- und Standortanalysen, Förderungsmöglichkeiten wurden abgefragt und die Maßnahme europaweit ausgeschrieben. Die Verantwortlichen waren sich einig, weiterhin familienfreundliche Eintrittspreise halten zu können. In Verbindung mit den Ergebnissen der Besucherbefragungen, den Workshop- und Scoopingterminen und den Wünschen von Schulen und Vereinen, wurde eine Vielzahl von Bäder-Modellen geprüft.

Dabei war stets der Erhalt der bestehenden Bäder aufgrund der hohen Betriebskosten und dem baulichen Zustand die teuerste Variante. Zusätzlich stellte sich heraus, dass eine Wirtschaftlichkeit nur mit der Zusammenlegung an einen gemeinsamen Bäderstandort verbessert werden kann.

Das durch Steuergelder geförderte Familien- und Sportangebot sollte durch kostendeckende Sauna- und Wellnessangebote ergänzt werden. „Da eine Kommune verantwortungsvoll verwaltet, aber meist kein guter Unternehmer ist, waren sich die Verantwortlichen einig, einen erfolgreichen Badbetreiber als Partner hinzuzuholen.“

Eine Partnerschaft zwischen Kommunen und privaten Unternehmen sollte sehr überlegt eingegangen werden. Mit Schauer & Co habe man ein Unternehmen gefunden, das seit vielen Jahren partnerschaftlich und nachhaltig mit und für Kommunen erfolgreich Bäderkonzepte entwickelt und betreibt, sowie das Betriebsrisiko übernimmt.

Bei diesem Modell gibt es ein Familienbad und das Freibad mit gleichbleibenden Eintrittspreisen wie in den jetzigen bestehenden Bädern Limare und Eichwaldbad. Der Betrieb der Therme und Sauna reduziert dabei den städtischen Zuschussbedarf. Das heißt, die Sauna- und Thermengäste finanzieren die niedrigen Eintrittspreise im Familien- und Strandbad mit. Auch unter Berücksichtigung der Bäder im Umland und der in Leutkirch entstehenden Ferienanlage „Center-Parks“ bestehe laut Florian Schneider, ein sehr hohes Besucherpotential für eine nachhaltige Bewirtschaftung der neuen Anlage in Lindau.

„Der Stadtrat stimmte im März mit deutlicher Mehrheit für eine Variante, die eine zukunftsfähige Lösung für die renovierungsbedürftigen Lindauer Bäder ist“, sagt Florian Schneider. „Ein solches Projekt kann nie allen Wünschen gerecht werden und ist immer ein Kompromiss.“ Auch die vorgeschlagene Lösung der Bürgerinitiative Eichwaldbad würde nicht allen Ansprüchen gerecht werden. „Verlierer werden die Lindauer Familien sein, denn wir haben dann zwar für 8 bis 15 heiße Sommertage ein großzügiges Freibad, aber ein familienfreundliches Hallenbad kann es aus wirtschaftlichen und baurechtlichen Gründen dann im Eichwald nicht geben.“ Die Konsequenz wäre ein kleines Zweckbad für Schule- und Vereinsschwimmen. „Alles andere übersteigt die Investitionskosten und die Betriebskosten bei weitem.“