15.2.2021 Wangen im Allgäu. Am Fasnetmontag brummt es normalerweise in der Wangener Altstadt. Nicht in diesem Jahr. Zunftmeister Wolfgang Tengler und OB Michael Lang simulierten zu zweit einen virtuellen Mini-Zunftmeisterempfang, der auf der Homepage der Narrenzunft zu finden ist.

Üblicherweise nehmen sich Zunftmeister und Obrigkeit beim Empfang gegenseitig gehörig auf die Schippe.

Seit Jahren gibt es zur Freude des Publikums auch einen kleinen oder größeren Schlagabtausch zwischen Kisslegg und Wangen.

Mal meinen die Kisslegger Hudelmale Wangen als Vorort bezeichnen zu sollen und mal brüsten sie sich ihres riesigen Schlosses, wogegen das Wangener Rathaus sich eher bescheiden ausmache. Man sieht, es wird nichts vergessen.

Doch dieses Jahr sieht die Welt anders aus. Kein Zunftmeisterempfang, kein Umzug. Jörg Rusch von der Narrenzunft filmte die Reden von Zunftmeister Wolfgang Tengler und Oberbürgermeister Michael Lang im Vorhinein. Beide blieben leise. Kein großes gegenseitiges Necken. Die Zeiten sind nicht danach.

Tengler fand es eine „Qual“, dass im großen Sitzungssaal kein Mensch saß. Keine Kißlegger Dilldabba, die mit Schalmeien und Trommeln sonst immer die Stimmung anheizen. Keine Schunkellieder, kein Narrenmarsch von Uli von Akkordien und nichts Selbst-Gereimtes vom Gemeinderat in Liedform dargebracht.

Keine närrischen Abordnungen aus den Wangener Ortschaften. Und sogar: „Die Kißlegger Hudler fehlen mir schon mit ihrem Schnarragagges heidanei!“, bekannte der Zunftchef. Er grüßte seine eigene Narrenschar, die Fasnet drhoim feiert. Er grüßte den Bauhof, der den Narrenbaum ohne Narren stellte. Und er munterte sie alle mit Blick auf die Fasnet 2022 auf: „Bald gôht’s drgega“.

Dass es ein besonderer Morgen sei, befand auch OB Lang. „Es ist auch ein trauriger Moment, hier allein mit dem Zunftmeister zu stehen“, sagte er. Lang lobte aber auch die Art und Weise, wie die Narrenzunft versucht, das Beste aus der Fasnet zu machen.

„Toll sind die Beiträge, die es im Internet zu finden gibt. So gibt es ganz viel Wangener Brauchtum und Kultur. Die Fasnet ist da – nur eben ein bisschen kleiner und stiller. Das ist gut und macht mich stolz“, fügte er hinzu. Auch OB Lang richtete den Blick nach vorn und verbreitete die Hoffnung aufs nächste Jahr, in dem dann hoffentlich der Ratssaal wieder bis auf den letzten Platz besetzt ist.

Info: Der Film wird am heutigen Rosenmontag auf der Homepage der Narrenzunft und in ihren Facebook- und Instagram-Kanälen zu finden sein.

Narretei hinter Schaufenstern

Übrigens gibt es im Städtle ein paar Narren – und wenn sie nur hinter den Schaufenstern sitzen, wie zum Beispiel bei der Golddistel am Marktplatz, die auch noch einen QR-Code zu einem Film über die Wangener Fasnet aushängt. Fasnet digital also!

In der Metzgerei Joos hängt wie immer zu dieser Jahreszeit die Fahne der Wangemer Kuhschelle und im Gästeamt stehen Aneweible und Flachsnarr einträchtig beisammen. Wer jedoch in die Tabakstube im Ratloch schaut, traut seinen Augen kaum. Denn dort sitzt vermeintlich ein Aneweible mit einem Flachsnarr beim Kaffee.

Wenn sie echt wären, müsste glatt das Ordnungsamt aus dem Stockwerk darüber einschreiten. Sind sie aber nicht. Thomas Pfeilsticker hat zwei seiner Schaufensterpuppen zur Verfügung gestellt, die dann von der Narrenzunft ordnungsgemäß angezogen wurden.

Bei Stoffel’s im Stadtbräu sitzen eine Wangemer Mühlhexe und ein Flachsnarr einträchtig bei Bier und Wein zusammen und schauen auf die, die da vorbeigehen. Da kann man nur sagen: „Schelle-schelle, Schellau“.